Inter Mailand - AC Milan

Mailand, Giuseppe Meazza Stadion

75.817

Serie A

09.02.2020, 20:45

Internazionale - AC Milan  4:2

 

 

Endlich war es so weit. Das „Derby della Madonnina“ stand schon lange ganz oben auf meiner Liste. Dementsprechend riesig war die Vorfreude auf diesen Sonntag, denn am 9.2.2020 sollte es mir schließlich gelingen dieses geschichtsträchtige Mailänder Stadtderby im altehrwürdigen Stadio Giuseppe Meazza zu besuchen. Zusammen mit meinem Bruder startete ich, in der Nacht von Samstag auf Sonntag um 4:00 Uhr morgens, mit dem Auto in die zirka 730 Kilometer entfernte lombardische Hauptstadt, welche mit rund 1,4 Millionen Einwohnern, hinter Rom, die zweitgrößte Stadt Italiens ist. Nach gut acht Stunden Fahrtzeit erreichten wir endlich unser Hotel an der Peripherie der Metropole. Recht viel schneller geht es dank IG-L 100 und weiteren diversen Einschränkungen nicht. Infolge eines kurzen Lokalaugenscheins unseres Zimmers machten wir uns auf den Weg Richtung Innenstadt. Ziel war natürlich die Besichtigung des Mailänder Doms. Dort angekommen galt es erst einmal einen Parkplatz zu finden. Kostenlose Abstellmöglichkeiten gibt es kaum. Jene die vorhanden sind, sind alle besetzt. Es gibt aber zahlreiche Parkhäuser, welche sich allerdings ordentlich in der Geldbörse niederschlagen. In der Not kann man diese trotzdem nützen. Zu bezahlen sind 3€ pro Stunde.

 

Ehe wir uns den Innenraum des Doms angesehen haben speisten wir typisch italienisch Pizza in einem Restaurant visavis der Kathedrale. Aufgrund der Lage war selbstverständlich alles überlaufen, so kam es, dass wir unsere Mahlzeit im Außenbereich verzerrten. Nicht problematisch bei windstillen 11° Celsius. Man konnte gut die Leute beobachten. Die Euphorie hinsichtlich des Stadtderbys war merklich spürbar und sichtbar. Ein Großteil der Passanten war mit Trikots oder Schals unterwegs, die Stimmung in der Stadt war generell sehr feierlich. Anschließend der Sättigung kauften wir uns ein Ticket, welches zur Begehung der Kathedrale berechtigt. Die Standardversion kostet 3€. Wer mehr sehen möchte bzw. sich einer geführten Tour anschließen will muss mit Kosten bis zu 20€ rechnen. Der Dom kommt mit seiner gotischen Form sehr anschaulich daher und ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Vor allem die Fassade ist ausgesprochen bewundernswert.

 

Gegen 16 Uhr setzte regnerisches Wetter in Mailand ein, weswegen wir kurzfristig beschlossen haben noch einmal kurz zurück zur Herberge zu fahren bevor wir uns um 17:30 Uhr nach San Siro aufmachten. So heißt der Stadtteil in dem das Stadion gebaut wurde. Aufgrund dessen hieß die Spielstätte auch von 1926 – 1980 San Siro. Die Frage danach, wie denn das Stadion eigentlich offiziell heißt wird ja sehr häufig gestellt. Umbenannt wurde es 1980 in „Giuseppe Meazza Stadio“. Der Name stammt von der italienischen Ikone, Giuseppe Meazza, welcher 1934 sowie 1938 mit Italien Weltmeister wurde und über 350 Mal für die Schwarz-Blauen am Feld stand. Deswegen wird das Stadion von den Milan Anhängern auch heute noch San Siro genannt.

 

Wir kamen also gegen 17:45 Uhr beim Giuseppe Meazza Stadion an. Die Parkplatzsituation ist nicht die beste. Es gibt einen großen Abstellplatz, welcher Bussen sowie Dauerkartenbesitzern vorbehalten ist und einige für Mitarbeiter, Vips, etc. Zusätzlich besteht die Chance, mit Glück eine freie Lücke am Straßenrand zu finden. Ist einem Fortuna nicht hold dann wird es teuer. Satte 30€ Abstellgebühr werden verlangt, für den einen zur Verfügung gestellten Parkplatz. Sollte man die Möglichkeit haben, von seinem Hotel aus per öffentlichen Verkehrsmitteln zum Spielort anzureisen, dann wäre dies wohl die günstigere Variante. Ob diese hohen Preise auch bei gewöhnlichen Ligaspielen gelten sei dahingestellt, denn auch die Tickets beim Derby kosten das Vierfache. Seis drum. Ausnahmsweise für dieses Derby ist man bereit solche unmoralischen Preise zu zahlen. Die immens hohe Rivalität zwischen den Rossoneris und den Nerazurris konnte man an allen Ecken und Enden spüren. Jeder war elektrisiert und voller Hass dem Gegenüber eingestellt. Aber was ist es, was dieses Derby zu einem ganz besonderen macht und weshalb ist die Ablehnung gegenüber einander so groß? Im Gegensatz zu vielen anderen Derbys, ist das „Derby della Madonnina“ nicht von politischen oder geographischen Andersartigkeiten geprägt sondern durch die eigene Geschichte. Gegründet wurde der AC Milan im Jahr 1899 als Milan Cricket and Football Club. Anfangs existierte neben der Fußballabteilung nämlich noch eine Cricket Sektion im Verein, welche aber relativ früh herausgelöst wurde. Die Klubfarben sind seit jeher Rot und Schwarz. Der „FC Internazionale Milano“ wurde hingegen erst 1908 gegründet. Die Brisanz daran: Gegründet von Mitgliedern des Milan CFC. Diese waren verärgert aufgrund der nationalistischen Ausrichtung des Vereins, denn es durften nur Italiener spielen. Deshalb verließen einige Mitglieder den Klub und gründeten Inter Mailand. Um auf die Offenheit des Vereins aufmerksam zu machen gab man dem Klub den Namenszusatz „Internazionale“. 

 

 

Das durchqueren der Einlasspforte bewerkstelligt sich trotz hoher Sicherheitsauflagen simpel. Ohne gültigen Reisepass wird einem aber der Eintritt verwehrt. Es wird bei jeden konsequent überprüft ob der Name auf den Tickets übereinstimmt. Schwieriger gestaltet sich die Orientierung für Laie um die Plätze zu finden. Es sollte aber nach einer kurzen Ausrichtung jeder hinbekommen. Wir hatten unsere Plätze im zweiten orangen Rang. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man die steilen Betonstufen hochläuft und ein bombastisches Sentiment beim ersten Blick durch den Blockeingang in den Innenraum des Stadions sieht, welches zweifelsfrei eines der imposantesten der Welt ist.

 

 

Es war eines der spektakulärsten Derbys aller Zeiten und hielt alles was ein Lokalduell verspricht. Schon vor Spielbeginn wurden regelmäßig Liebesbekundungen in Richtung des Gegenübers gefeuert. Vor dem Stadion explodierten ständig Böller. Großartige Choreographien zu Beginn des Spiels. Bengalische Feuer, Rauchfackeln sowie diverse Spruchbänder unter dem Match und am Feld eine Partie die an Skurrilität nicht mehr zu überbieten ist. Es waren zwei grundverschiedene Halbzeiten. Eigentlich wäre ein Unentschieden das gerechte Ergebnis gewesen, doch in der letzten Konsequenz war Inter Mailand besser und verwertete seine Chancen häufiger, gewann deswegen nach 0:2 Pausenrückstand noch mit 4:2. Das Giuseppe Meazza Stadion tobte. Die Atmosphäre war atemberaubend. Beide Kurven legten 90 Minuten einen überragenden Support hin und lieferten sich einen Schlagabtausch. Wie außergewöhnlich diese Stimmung wirklich ist lässt sich schwierig erklären oder niederschreiben. Man muss das „Derby della Madonnina“ einmal erlebt haben.

 

 

 

 

Luchino lebt in unseren Herzen

In deiner blasphemischen Version der Legende kehrt etwas nicht zurück - Die Geschichte Mailands lehrt: Albrogio der Teufel verlor seine Hörner in der Kolonie. (Es handelt sich um eine Legende der Stadt)

 

Die Curva Nord zeigt ein Interpferd mit einem am Boden liegenden Rot-Schwarzen Teufel. Der Satz unten auf dem Bild "Vipereos mores non violabo" (Ich werde nicht gegen die Drachensitten verstoßen) geht schließlich auf ein altes Motto der Visconti-Dynastie zurück. zurück.

 

Spruchband für einen Ultra der Curva Sud, welcher kürzlich seine Mutter verloren hat.

'' Dass es der Kampf aller ist, dass es der Kampf eines Volkes und einer Nation ist. Lassen wir Chico Forti frei". Die Curva Sud  schlägt vor, Forti frei zulassen, der seit zwanzig Jahren in einem Hochsicherheitsgefängnis in den USA inhaftiert und wegen Mordes in Florida zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Anscheinend wurde dieser unschuldig verurteilt.